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Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz:

"Antrag auf Taschas Einstufung als Behindertenhund eingereicht - Hoffnung für Dylan und Tascha!"

Eine Stellungnahme

Ausgangssituation

Dylan G. liegt seit seiner Geburt im Wachkoma. Hündin Tascha kann (mithilfe von Maschinen messbar) eine positive Reaktion bei ihm hervorrufen. Tascha ist ein Listenhund (Staffordshire-Bullterrier Mix).

Seit einem Beißvorfall, bei dem ein familienfremder Hund verletzt wurde (offene Wunde), versucht das örtliche Ordnungsamt, nach am Wohnort geltendem Recht, die Haltung des Hundes zu unterbinden. Ob der Hund mit nach Brandenburg zog oder dort erst angeschafft wurde, wird aus dem Text nicht klar.

Die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz unter dem Vorsitz von Dr. von Loeper setzt sich für die Fortführung der Haltung von Tascha ein.

Vom täglichen Leben der Hündin erfährt man weiter nichts. Die Eltern arbeiten abwechselnd und versorgen Dylan selbst. Es gibt 4 weitere Kinder.

Nach dem Beißvorfall hat Tascha eine Hundeschule besucht und eine Wesensprüfung bestanden. Irgendjemand, ich vermute ein Familienmitglied, hat noch eine Sachkundeprüfung abgelegt.

RTL, BZ und RBB haben Beiträge zugunsten der Familie veröffentlicht. Herzschmerz vermischt mit durcheinandergewürfelten Fakten, wenn man mit dem o. g. Text vergleicht. Auf Facebook schlagen die Unterstützerwellen hoch und eine nicht weiter bezeichnete Petition soll 40tausend Unterstützer haben.

Was ist das Problem?

Das Problem ist simpel: Tascha ist ein Listenhund und es gab einen Beißvorfall. Im Interesse des Kindes soll der Hund in der Familie verbleiben. Soweit der Wunsch/die Argumentation der Familie.

Welche Lösungsvorschläge gibt es?

Nach einem Treffen mit dem zuständigen Bürgermeister und dem zust. Amtsleiter wurde ein Antrag gestellt, Tascha als Behindertenbegleithund anzuerkennen und damit das Haltungsverbot zu umgehen.

Eine nicht näher bezeichnete Anzeige aus dem Jahr 2011 wurde vom Antragsteller erwähnt und zurückgewiesen. Der nunmehr "einzige" Beißvorfall wurde mit einer Verkettung von unglücklichen Umständen in Zusammenhang gebracht und auf einen "instinktiven Beschützerinstinkt zur Bewachung des Anwesens und der Familie" zurückgeführt. Eine Ausbildung zum Behindertenbegleithund sei zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits begonnen worden. Den Antrag zu lesen bringt Klarheit in die Angelegenheit: So ist das Auftreten des Ordnungsamtes durchaus kein "amtsschimmeliges" Vorgehen, auch gab es Einwände seitens des Bürgermeisters. Interessanterweise handelt es sich bei dem rechtlichen Beistand der Familie, dem Unterzeichner des Antrags und der Vertretung der Stiftung um eine einzige Person: Dr. von Loeper.

Ein Schelm, wer böses dabei denkt!

Wer sind die Akteure und welche Interessen haben sie?

Jede Menge Medien machen Stimmung (und Kasse).

Die Familie möchte ihren Familienhund behalten.

Das Ordnungsamt wird als "Prinzipienreiter" dargestellt. Es wird nirgendwo zitiert. Der Eindruck, es wurde schlichtweg übergangen, drängt sich auf.

Der Bürgermeister mag keine schlechte Presse.

Die Stiftung - eigentlich erklärt sie sich zuständig für Tierschutz - wird mithilfe der Kampagne weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt.

Anmerkungen zum Text

Die Stiftung lobt sich selbst. Begriffe wie "Wachkomajunge", jede Menge Übermenschliches (was aus Texten über Menschen mit Behinderung bekannt ist, hier wird auf die Eltern Bezug genommen) und natürlich die "Bedrohung" durch das Ordnungsamt, den Hund zu entziehen, bestimmen das Bild.

Ein Teil des Textes stammt aus der BZ, der allerdings auf der Stiftungsseite ohne jede Einschränkung/Relativierung zu lesen ist.

Zusammenfassung

Allen Beteiligten scheint vollkommen egal, dass es sich hier um einen Familienhund handelt, der zufällig ein Verhalten entwickelt hat, das Dylan gut tut.

Erst als ein Beißvorfall bekannt wurde, hat man sich darum bemüht, einen besseren Eindruck zu machen.

Vorher kam es (lt dem Text) zu keinerlei Anstrengung, Tascha einer ordentlichen Ausbildung als Behindertenbegleithund zuzuführen. Auch von einer Begleithundeprüfung ist nichts bekannt. Nach dem Beißvorfall ging es dann offensichtlich los: Wesenstest, Sachkundeprüfung, Beginn einer Ausbildung zum Behindertenbegleithund.

Insbesondere die Begründung für den Beißvorfall ist haarsträubend: "(...) Tascha war (..) erkennbar von einem instinktiven Beschützerinstinkt zur Bewachung des Anwesens und der Famiie geleitet (...)"

Ein Behindertenbegleithund mit Beschützerinstinkt, der so weit geht, dass ein anderer Hund tierärztlich versorgt werden muss? Und zur Abwehr des Instinktes ein Wesenstest und Hundeschule? Und jetzt wird noch eine Ausbildung draufgesattelt, um das Ordnungsamt endgültig ins Abseits zu stellen?

Man muss die Einteilung in Kampfhunde und andere Hunde nicht bejahen um hier völlig andere Beweggründe als die genannten zu assoziieren.

Was ich aber wirklich perfide finde ist folgendes:

Der Beißvorfall wird nicht bestritten (wie auch, er ist amtsbekannt). Stattdessen wird auf die Stereotype "behindertem Kind wird Hilfe verwehrt" zurückgegriffen und ein Familienhund kurzerhand zu einem Behindertenbegleithund umdefiniert. Und die Boulevardmedien mischen ergriffen mit. Und da beginne ich mich einzumischen.

Normalerweise ist ein Beißvorfall mit Verletzung das Ende einer Laufbahn als Behindertenbegleithund und nicht der Anfang!

Nicht umsonst sind diese Tiere sehr, sehr teuer: Sie werden eben nicht einfach mal so ausgewählt, aufgezogen und geschult. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Hier wird ganz klar Recht zurechtgebogen und ich finde, dass das in keiner Weise Unterstützung verdient hat.

Als letztes möchte ich noch auf "die Verkettung unglücklicher Umstände" eingehen, die laut Antragsteller zu dem Beißvorfall geführt haben:

Das ist eine allseits beliebte Begründung für hundliches Fehlverhalten, wenn der Besitzer einfach nicht mitkriegt oder sich nicht für das interessiert, was gerade läuft. Oft ist die emotionale Bindung an den Hund so stark, dass man alles mögliche als Begründung akzeptiert, solange der Hund am Ende der Begründungskette "unschuldig" ist. Mit den tatsächlichen Fakten hat das oft wenig bis gar nichts zu tun.

Fakt ist, kaum ein Hund verletzt mal eben so und wenn er das tut, ist es Zeit herauszufinden, warum und nicht einfach wie bisher weiterzumachen. Es gibt i. d. R. eine Vorgeschichte, nur hat sich bisher keiner damit befasst.

Ja, auch ich bin Hundehalterin. Auch ich bin behindert. Ich finde, dass so eine Sache nicht unterstützt werden sollte. Wir müssen uns schon entscheiden: Entweder ganz normal dabei oder Sonderregeln für alles, was auch nur im Entferntesten mit Behinderung zu tun hat.

Nachtrag vom 3. Dezember: Laut BZ wurde Tascha umgemeldet. Dadurch ist sie kein "Listenhund" mehr. In Berlin gibt es diese Einteilung nicht. "Tascha absolviert eine Ausbildung als Therapie- bzw. Behindertenbegleithund, inklusive Prüfung.", so die BZ.

Die von der BZ benannte Hundeschule hat auf Nachfrage keinerlei Angaben zur Ausbildung der Hündin gemacht. Die Schule sieht in der Gesundheit des Jungen und dem "Leben" der Hündin ihre Priorität.

Ob Tascha nun zu einem Behindertenhund (Was ist das?), einem Therapiehund, einem Behindertenbegleithund oder einem Begleithund wird? Zunächst macht sie wohl ein Training bzgl. Verträglichkeit mit Artgenossen.

Dies, so scheint mir, ist eine wirklich sinnvolle Maßnahme!

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